Die Nörgler – Mein Sonntagsbrunch unter Verwirrten

Es ist ein verregneter Sonntag. Aber das Frühstücksbuffet eines lokalen Restaurants lockt meine Freundin und mich vor die Tür. Ich denke mir, was kann es schöneres geben, als sich an einen gedeckten Tisch zu setzen und sich 25 mal den Teller am Buffet mit leckeren Teilchen, Brötchen, Eiern und Speck vollzuschaufeln, bis der Magen streikt. Das Geld fürs Buffett möchte schließlich auch gegessen werden. Da spare ich gleich doppelt, wenn ich den Rest des Tages im besten Falle nicht mehr viel essen muss. Win Win nennt man das ja neudeutsch. Mich macht sowas echt glücklich.

Dass ich gleich auf einen unfassbaren Nörgler treffen würde, hätte ich nie geahnt.

Zum Glück haben meine Freundin und ich einen Tag zuvor einen Tisch bestellt. Wir betreten den Laden mit unseren roten Gesichtern von der eisigen Kälte des Novembers und bereits beim Öffnen der Tür schlägt uns der wohlig warme Duft von warmen Brötchen und Kaffee entgegen. Herrlich, denke ich. Wir werden zu unseren Plätzen gebracht. Das gute am Buffet ist ja, man kann direkt mit dem Teller zur Auslage stürmen. Wer nicht möchte, braucht sich nicht mal nach dem Ausziehen der Jacken hinzusetzen.

Die Schlacht am Buffet ist direkt eröffnet

Hallelulja. Da ich allerdings nicht wie ein verhungertes Tier die Auslage stürmen möchte (macht ja einen suboptimalen Eindruck, vielleicht kennt mich doch noch wer) warte ich mit meiner Freundin ganz brav ab, bis die Bedienung unsere Getränkewünsche notiert und uns einen Guten Appetit am Buffet gewünscht hat. Zack, habe ich meinen Teller in der Hand und laufe los. Dabei gehöre ich zu der Sorte, die sich erstmal einen Überblick über die Auswahl verschafft. Es gibt doch nichts Ärgerlicheres, als nach dem zweiten Brötchen, Speck und Pfannkuchen festzustellen, dass am anderen Ende noch der leckere Joghurt mit Früchten auf mich gewartet hätte. Ich blicke also die Tische mit all den köstlichen Sachen entlang. Was soll ich sagen:

Es sind unzählige Meter mit verschiedensten und gesunden Speisen aufgetischt

Und wenn ich sage „unzählige“ und „Meter“ dann meine ich das auch so. Es gibt alles was man sich nur wünschen kann. Bei der Auslage würden selbst 5-Sterne Häuser blass vor Neid. Eier in allen Variationen, unzählige Brötchen Sorten, Brote, Joghurt, Müsli, Obst. Selbst für die ganz gesundheitsbewussten Sonntagsschlemmer gibt es Low Carb Produkte sowie vegetarische und vegane Sachen. Während ich noch verzweifelt versuche, mir bei dem Umfang einen Überblick zu verschaffen und mich nicht entscheiden kann, kommen sie. Von rechts.

Die Nörgler

Man erkennt einen Nörgler nicht auf Anhieb, aber neben mir habe ich ein besonders schönes Exemplar, dass seine Gedanken nicht für sich behalten kann oder möchte. Die Dame, schätzungsweise Ende 30 und natürlich, wie kann es anders sein, in augenscheinlicher Topform, ist entsetzt. Es gibt lediglich 3 verschiedene Sorten frischen Joghurts. Wie konnte das passieren? Wer hat da geschlampt in dem Laden? Wie sie so neben mir steht und ihrer Freundin allen ernstes sagt: „Warum haben die denn hier keinen Joghurt mit Äpfeln?“ Bin ich einfach nur sprachlos.

 

Nörgelei auf so einem hohen Niveau ist mir selten untergekommen

Ich möchte darauf was sagen. Jetzt, ganz schnell. Irgendetwas kluges und so unmißverständlich eindeutiges wie ich ihre Haltung gerade finde, aber mir fällt nichts ein. Ich bin sprachlos. Ich schaue nervös von meinem immer noch leeren Teller zur Auslage und denke mir nur meinen Teil. „Was ist bitte los mit Dir? Was stimmt denn nicht mit Dir? Was veranlasst Dich in einem warmen Gebäude mit einer Auslage, die uns in Hülle und Fülle wahnsinnig gute Lebensmittel zur Verfügung stellt, die Menschen in der dritten Welt vielleicht noch nie auf einmal zur Verfügung hatten, so zu meckern. Woher kommt denn Deine Unzufriedenheit? Wann hast Du den Blick fürs Wesentliche im Leben verloren?“

Ich hätte sehr sehr gerne eine Diskussion am Buffet mit ihr angefangen, aber meine Beherrschung hätte mich dann vermutlich sehr zügig verlassen. Und meine bis eben noch so glückselige Sonntagsstimmung auch. Und die lasse ich mir auf keinen Fall kaputt machen.

Die Dame macht sich von selbst schon kaputt mit ihrem Sinn für die negativen Dinge des Lebens

Ständig guckt einer: Was fehlt? Was ist schlecht? Warum sind alle so gemein zu mir? Ganz ehrlich? Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören. Jeder hat schlechte Tage und nicht jeder kann mit seinen Sorgen und Ängsten gut umgehen. Aber mal ganz ehrlich: Wer sich über den fehlenden Joghurt am Buffet aufregt, kann keine richtigen Sorgen haben. Wann hast Du Trulla denn verlernt glücklich zu sein bzw. Dich für das positive am Leben zu entscheiden?

Ich kehre mit meinem dann doch noch prall gefüllten Teller zurück zu dem Tisch, an dem meine Freundin schon wartet. An meinem Gesicht liest sie sofort ab, dass was nicht stimmt. Ich erzähle ihr von der nörgelnden Dame und sie bleibt ganz entspannt und sagt:“ Jessi, solche Leute gibt’s immer. Denen kann man es nie recht machen.“ Und recht hat sie. Nur gehöre ich lieber zu denen, die Glück erkennen. Im Alltag, in kleinen Dingen, wo sich Menschen Mühe gegeben haben.

Verlier auch Du nicht den positiven Blick für die manchmal so kleinen, aber wertvollen Dinge.

Bleib glücklich,

Deine Jes

Zum Nachhören dieses Artikels geht es hier entlang: Podcast

Wann bist Du zuletzt einem Nörgler begegnet? Schreib mir gerne.

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